Älterwerden

Älterwerden

Heute Morgen fuhr ich mit meinem Wagen auf eine Kreuzung zu, war eh schon in Gedanken. Ich kam gerade aus dem Büro von meiner Mutter; wir hatten wieder dieses bestimmte Thema, „Was machen wir mit Oma“?! Aber auf dieses Thema komme ich später nochmal zurück.

Also ich fuhr auf diese Kreuzung zu und hielt an der Haltelinie da ich Rot hatte und warten musste. Die Fußgängerampel schaltete auf Grün. Mit ganz großen und ängstlichen Augen schaute mich eine kleine zierliche, weißhaarige, frierende Frau an. Sie war bestimmt schon 85 Jahre alt.

Ich dachte mir nur, „ja keine Angst Omi, ich fahre Dich schon nicht um“.

Aber was dachte sie in diesem Moment? „Junges Fräulein bitte passen sie auf; als ich noch jung war;“ Vielleicht dachte sie dieses, vielleicht aber auch nicht.

Habt ihr Euch mal in diese Situation versetzt? Ich mich noch nie. Klar ich mache mir schon seit langer Zeit Gedanken in der Form „was ist wenn Oma nicht mehr ist, oder auch meine Eltern“. Das wäre das Schlimmste was mir passieren würde.

Aber gefragt wie diese Menschen sich mit dem Älterwerden fühlen, mit der Gewissheit dass es zu Ende geht, das habe ich mich noch nie.

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke finde ich diese ganze Situation echt schwierig.

Die einen Menschen haben sicherlich viel erlebt, gefeiert, ihr Leben genossen, Kinder bekommen, eine Familie die hinter einem steht und man kann friedlich seinem Ende mit dem Gedanken, „Ich habe bereits so viel erlebt, ich mache jetzt Platz für Junges Gemüse“, entgegen sehen.

Doch vielleicht ist da auch gerade dieses zierliche Frau, vielleicht hat sie es in ihrem Leben nicht einfach gehabt, vielleicht musste sie für alles hart kämpfen, vielleicht hatte sie Glück nie wirklich erfahren und immer Schicksalsschläge gehabt, denkt sie an diesen Gedanken, „War es das jetzt einfach so?!“

Dann gibt es da noch die dritte Sorte von Menschen, Normales Leben, hart gearbeitet für sich und die Kinder, die Familie, Reisen erlebt, aber halt nicht groß rausgekommen, ein Mitläufer in der breiten Masse, was denkt er? „Ich will noch nicht gehen, ich will noch was erleben“?

Diese Gedanken machen mir irgendwie schon ein bisschen Angst. Hat Euch ein älterer Mensch schon mal so etwas verraten? Natürlich machen wir uns unsere eigenen Gedanken. Aber sind diese so richtig?

Meine Oma zum Beispiel, sie ist Mitte Siebzig, sie hat immer viel gearbeitet, sich immer um die Familie gekümmert, im Haushalt geholfen, mich mit groß gezogen, geschieden, hat keinen derzeitigen Lebensgefährten, nur eine noch ältere kranke Freundin, die aber ziemlich starrköpfig ist und sich nicht helfen lassen will. Richtige Freunde hat Oma nicht, viele einzelne Bekannte, mal hier ein Kaffetreffen, mal dort.

Seit Neustem kapselt sich meine Oma jetzt aber ab, um es mal vorsichtig zu sagen, sie entwickelt sich zur notorischen Arztgängerin …aaarg ich kennen totkranke Menschen und meine Oma gehört definitiv  nicht dazu!  Auch wenn sie sich manchmal so anhört. Eigentlich könnte sie raus gehen, neue Leute kennenlernen, sich treffen, vielleicht sich sogar noch einmal einen neuen Lebensgefährten suchen. Reisen ect. sie hat doch die Zeit. Stattdessen rennt sie zu diversen Ärzten hat immer wieder was Neues und „fühlt“ ich krank. Ich schreibe bewusst fühlt denn sie ist es nicht! Tja das ist ihre Situation, jetzt zu meiner eigentlichen Frage, kann man da irgendwie helfen?

Will sie überhaupt dass man ihr hilft.

Einladungen spricht sie nicht mehr aus, man soll sich lieber anmelden wenn man kommen möchte, damit sie uns nicht so auf den Zeiger geht. Ich finde es super traurig, ich liebe meine Oma, allerdings bin ich ziemlich hilflos. Mit meinem Freund und meiner Familie habe ich schon diverse Male überlegt, was man ändern kann? Wir könnten mehr Ausflüge mit ihr machen oder mal mit ihr Essen gehen damit sie rauskommt. Andererseits bin ich, wenn ich ehrlich zu mir bin, ziemlich viel auf der Arbeit und habe eh wenig Freizeit muss ich dann noch den Hampelmann spielen? Ist das fair wenn ich dass so schreibe? Immerhin hat Oma sicherlich auch sehr sehr viel Zeit für uns investiert und hätte sich in dieser Zeit eher um Bekanntschaften kümmern können/müssen. Denke ich richtig? Vielleicht ist Oma aber auch so weil wir kaum Zeit für sie haben?

In wie weit sollten wir für Andere (Familie, Freude, Bekannte, Arbeitskollegen ect.) verzichten, in wie weit sollten wir Anderen helfen damit wir unser eigenes Leben noch haben? Aufopferung? Egoismus? Viele Gedanken und keine RICHTIGE Meinung. Was ist richtig, was ist falsch?

Was denkt ihr in Sachen Älterwerden?

Eines ist sicher das Ende wird für jeden irgendwann kommen und dann werden wir uns die Frage stellen müssen – haben wir alles in unserem Leben richtig gemacht?

Ist nicht jeder ein Stückweit alleine für sein Leben verantwortlich?

Advertisements

1 Kommentar »

  1. Schattenblume Said:

    Was ist Glück?

    Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“! (der kleine Prinz)

    Glück kann für einen Moment sein, Essen zu gehen, mit Freunden zu feiern, sich etwas schönes kaufen zu können, Reisen zu können…….
    Aber stellt man sich vor, unheilbar krank zu sein, oder gar einen geliebten Angehörigen zu verlieren, reduziert sich das „Glück“ ganz schnell auf das wirklich Wichtige. Das sind kleine Augenblicke des inneren Einverständnisses mit einem geliebten, einem naheliegenden Menschen. Das Verstehen ohne Worte, das Gefühl von Geborgenheit, selbst wenn die Welt vor der Türe auf dem Kopf steht.
    Für „sein“ Glück ist jeder Mensch selber verantwortlich.
    Für den Einen ist es die Einsamkeit, das in sich selber Zurückziehen, für den anderen vielleicht lieber ein neuer Lebensgefährte. Sein Glück kann man nicht behalten, es sind die Augenblicke die einem geschenkt und leider auch wieder genommen werden. Sicher ist es hilfreich wenn die Familie einem Unglücklichen zur Seite steht, aber aus seinem Unglück heraus muss man sich selber begeben.
    Die Zeiten und unser Leben hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. In anderen Kulturkreisen gibt es sie noch, die Großfamilien, in denen ältere Menschen mit getragen werden. Aber sind die Menschen dort wirklich glücklich? Ist man in einer Großfamilie glücklich wenn man seinen geliebten Lebensgefährten verloren hat?
    Also unter dem Strich bleibt, wichtig ist nur, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist! (Wenn das nur immer so einfach wäre.)

    Allen einen schönen Abend und heitere Gedanken. Lasst die Korken knallen! Denn Glück ist auch, sein Leben genießen zu können!


{ RSS feed for comments on this post} · { TrackBack URI }

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: